geo

"Geoarchäologie ist archäologische Forschung unter Zuhilfenahme von Methoden und Konzepten der Geowissenschaften. Das Hauptziel der Geoarchäologie ist die Rekonstruktion der Wechselbeziehungen zwischen vergangenen Kulturen und den sie umgebenden Landschaften. Ergänzend zu den traditionellen Ausgrabungen von politischen und religiösen Zentren erweitern geoarchäologische Forschungsvorhaben die Untersuchung prähistorischer und historischer Kulturen um wirtschaftliche und ökologische Aspekte. Sie sind wichtiger Bestandteil der archäologischen Regionsforschung bei der das gesamte Spektrum der Besiedlung (u. a. Wohnsiedlungen, Einzelhöfe, Befestigungsanlagen, Strassen, Wasserbauanlagen, Friedhöfe) in einem grossräumigen Areal erfasst wird. Im Rahmen der Geoarchäologie wird ermittelt, wie sich die Landschaft im Laufe der Kulturgeschichte gewandelt hat und wie sich der Mensch mit den Naturelementen auseinandersetzte.

Methoden: Geoarchäologische Untersuchungen beruhen auf vielseitigen und flexiblen methodischen Ansätzen, der Integration naturwissenschaftlicher und archäologischer Ergebnisse und einer interdisziplinären Interpretation dieser Resultate. Die Untersuchungsgebiete sind häufig geographisch-definierte Kleinräume zwischen 10 x 10 bis 30 x 30 km Fläche. Die Techniken, die im Rahmen geoarchäologischer Untersuchungen zur Anwendung gelangen, reichen von Geographischen Informationssystemen und Satellitenbildauswertung, über die geophysikalische Prospektion mit Hilfe von Magnetometrie, Seismik, Geoelektrik und Radar, bis zur pollenkundlichen Vegetationsrekonstruktion und zur geomorphologisch-bodenkundlichen Kartierung - wobei die Auswahl der zum Einsatz kommenden Methoden durch den Grad der Erhaltung der Landschaft, die allgemeine Beschaffenheit des Untersuchungsgebiets und die archäologische Fragestellung bestimmt wird. Die komplexe Landschaftsentwicklung wird dabei in einzelne Komponenten aufgegliedert (z. B. Vegetationsgeschichte, Besiedlungsgeschichte, Bodengenese), die bei grösseren Projekten von Spezialisten verschiedener Disziplinen bearbeitet werden. Der Geoarchäologe stimmt die Auswahl der naturwissenschaftlichen Mathoden auf die archäologische Fragestellung ab und koordiniert die Arbeit der Spezialisten im Gelände. Nach Abschluss der Geländearbeiten und Laboruntersuchungen werden die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Teiluntersuchungen zu einer umfassenden Landschaftsgeschichte zusammengefügt und schliesslich mit den archäologischen Erkenntnissen integriert."

Aus: "Mensch und Landschaft in der Antike - Lexikon der Historischen Geographie" herausgegeben von Holger Sonnabend, Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 1999.

Der Unterschied zwischen einem multi-diszplinärem archäologischem Geländeprojekt und der von Zangger vorangetriebenen Geoarchäologie liegt vor allem im Grad der Integration der Ergebnisse. Sowohl die von Zangger geleitete Untersuchung der Ebene von Argos (1984-88) als auch die Rekonstruktion der Landschaft in der Umgebung des Palastes von Nestor (1991-98) setzten Massstäbe in der geoarchäologischen Methodik. In beiden Fällen wurden die Methoden optimal aufeinander abgestimmt und die Ergebnisse als umfassende Gesamtschau publiziert - statt wie sonst üblich in Form von Einzelaufsätzen.

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